Wann muss der Chef von der Schwangerschaft erfahren?

Dafür gibt es keinen vorgeschriebenen Zeitpunkt. Allerdings ist es sinnvoll und gut, wenn er so bald wie möglich Bescheid weiß – in größeren Betrieben gilt das auch für die Information der Personalabteilung. Das ist nicht nur fair im Sinne einer guten Zusammenarbeit und im Hinblick auf die weitere Personalplanung, sondern auch wichtig, weil alle Vorschriften für werdende Mütter erst ab dem Zeitpunkt gelten, ab dem die Schwangerschaft dem Arbeitgeber bekannt ist. Viele Frauen zögern die offizielle Mitteilung noch eine ganze Weile hinaus. Der Grund: Die ersten zwölf Wochen einer Schwangerschaft sind die unsichersten und sie wollen auf keinen Fall bei einer möglichen Fehlgeburt mit ihrem Chef darüber reden müssen.

Ein guter Kompromiss kann dann sein, den Arbeitgeber erst nach Ablauf von drei Monaten zu informieren. Wichtig: Wenn Frauen an ihrem Arbeitsplatz allerdings besonderen Risiken oder Gefahren - wie schwere körperliche Tätigkeiten oder Umgang mit gefährlichen Stoffen - ausgesetzt sind, sollte der Arbeitgeber möglichst früh Bescheid wissen, damit die werdende Mutter sofort von den Rechten des Mutterschutzgesetzes profitieren kann.

Schwangere Arbeitnehmerin: Wie sage ich es meinem Chef?

Auch wenn Ihnen die Kollegen im Team näher sind als der Arbeitgeber: Er sollte als Erster von Ihrer Schwangerschaft erfahren und nicht aus der Gerüchteküche. Wichtig ist auch, dass Sie dafür einen geeigneten Moment abwarten und um ein Gespräch unter vier Augen bitten. Bereiten Sie sich darauf gut vor und machen Sie sich dazu auch ein paar Notizen, die Sie mitnehmen können. Denn schließlich möchte der Chef einige wichtige Daten von Ihnen wissen: Den errechneten Geburtstermin, eventuelle Resturlaubsansprüche, ob Sie nur den Mutterschutz in Anspruch nehmen wollen oder für eine bestimmte Zeit in Elternzeit gehen, ob Sie danach eine Vollzeit- oder Teilzeitstelle anstreben. Das müssen Sie zwar alles noch nicht ganz genau beim ersten Gespräch festlegen, aber Sie sollten sich schon Gedanken darüber machen, wie es nach der Geburt des Kindes weitergeht. Im gemeinsamen Gespräch können Sie auch überlegen, wer von Ihren Kollegen während des Mutterschutzes oder der Elternzeit Ihren Job oder Teile davon übernehmen könnte. So etwas zeugt von Ihrem Engagement und freut den Arbeitgeber.

Ist eine Kündigung wegen Schwangerschaft rechtens?

Definitiv nein! Denn vom ersten Tag der Schwangerschaft an bis vier Monate nach der Entbindung als auch während der Elternzeit gilt ein besonderer Kündigungsschutz – selbst in der Probezeit. Der gilt allerdings nur dann, wenn der oder die Vorgesetzte auch von der Schwangerschaft weiß. Es kommt schon einmal vor, dass eine Frau erst nach einer Kündigung von ihrer Schwangerschaft erfährt. Dann hat sie zwei Wochen Zeit, ihren Arbeitgeber zu informieren, und erhält dann rückwirkend diesen Kündigungsschutz. Wer nach einer Kündigung schwanger wird, für den gilt der Schutz natürlich nicht. So tragisch es auch ist – erleidet eine Frau eine Fehlgeburt, erlischt damit auch der Kündigungsschutz.

Mit dem Mutterschutz ist die Zeitspanne von sechs Wochen vor dem errechneten Geburtstermin bis acht Wochen danach gemeint, in dem die schwangere Frau bzw. junge Mutter nicht arbeiten darf. Auf eigenen Wunsch können Sie dieses Beschäftigungsverbot vor der Geburt widerrufen und weiterarbeiten, doch für die Zeit nach der Geburt gilt ein absolutes Arbeitsverbot. Übrigens: Wenn das Baby früher als errechnet auf die Welt kommt, verlängert sich der Mutterschutz nach der Geburt um die Tage, die vor der Geburt nicht mehr in Anspruch genommen wurden. Das Mutterschutzgesetz gilt im übrigen nicht für Selbstständige, Freiberuflerinnen, Geschäftsführerinnen oder Studentinnen – auch für Beamtinnen gelten eigenen Regeln.

Was tun, wenn der Chef sich nicht ans Mutterschutzgesetz hält?

Kaum haben Frauen dem Chef von ihrer Schwangerschaft erzählt, schikanieren einige Arbeitgeber ihre Mitarbeiterinnen aus nicht nachvollziehbaren Gründen oder muten ihnen unzumutbare Arbeiten zu. Doch wenn der Vorgesetzte sich nicht an das Mutterschutzgesetz hält oder eine Schwangere drangsaliert, muss sie das nicht klaglos ertragen. Wer in einem großen Unternehmen arbeitet, wendet sich am besten an den Betriebsrat. Gibt es keinen, kann die Frau Rat beim örtlichen Amt für Arbeitsschutz suchen oder beim Gewerbeaufsichtsamt, das entweder weiterhilft oder je nach Beschwerdegrund an eine andere Institution verweist.

Diese Arbeiten sind für Schwangere verboten

Zuallererst sind natürlich schwere körperliche, riskante Arbeiten oder solche, die mit erhöhter Unfallgefahr verbunden sind, für schwangere Arbeitnehmerinnen verboten – und zwar von Anfang an. Außerdem der Umgang mit schädlichen und gefährlichen Stoffen, Arbeiten bei großem Lärm, bei Hitze, Kälte oder Nässe. Schwangere sollten auch darauf achten, dass sie regelmäßig keine Lasten heben, die mehr als fünf Kilogramm wiegen, darauf weist die Deutsche Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) hin. Denn sonst besteht die Gefahr, sich zu überlasten und damit frühzeitig Wehen auszulösen.

Arbeitgeber muss alternativen Job anbieten

Schwangere, die im Job viel stehen müssen – wie Friseurinnen, Verkäuferinnen oder Arbeiterinnen am Fließband – dürfen ab dem fünften Monat nicht länger als vier Stunden am selben Platz stehen. Nach dem dritten Monat sind für Schwangere auch Tätigkeiten in oder auf Fahrzeugen verboten – das gilt z.B. für Busfahrerinnen, Stewardessen oder Auslieferungsfahrerinnen. Diese Frauen haben dann einen Anspruch darauf, in den Innendienst versetzt zu werden. Wenn der Arbeitgeber keinen entsprechenden Einsatzort für die Schwangere findet, muss er sie freistellen – bei vollem Gehalt. Lassen Sie sich nicht darauf ein, sich stattdessen krankscheiben zu lassen. Das ist nicht nur illegal, sondern bedeutet ein Krankengeld von oft nur rund 70 Prozent des Einkommens.

Schwanger im Schichtdienst?

Grundsätzlich sind für Schwangere Schichtdienste zwischen 20 und 6 Uhr sowie Sonn- und Feiertagsdienste verboten. Ausnahmen gibt es hier für Krankenhäuser, die Hotellerie und Gastronomie oder Kulturbetriebe wie das Theater. Der Arbeitgeber muss dann aber unter der Woche einen Ausgleich dafür gewähren.

Müssen Schwangere Überstunden leisten?

Auf keinen Fall! Schwangere Frauen und stillende Mütter dürfen nicht mehr als achteinhalb Stunden am Tag arbeiten. Sind sie unter 18 Jahren alt, sind es sogar nur acht Stunden.

Beschäftigungsverbot für bestimmte Berufe

Zusätzlich zu den gesetzlich vorgeschriebenen Bestimmungen gibt es noch individuelle Beschäftigungsverbote für besondere Berufsgruppen: Besonders häufig davon betroffen sind Kita-Erzieherinnen oder Grundschullehrerinnen, die nachweislich nicht gegen Infektionskrankheiten wie Windpocken, Ringelröteln, Masern oder Mumps immun sind.

Pausenlänge für Schwangere im Beruf?

Schwangere Arbeitnehmerinnen haben den gleichen Anspruch auf Pausen wie andere berufstätige Frauen auch: 30 Minuten Pause bei einer Arbeitszeit von mehr als sechs bis zu neun Stunden. Die Pause kann dabei in Abschnitte von mindestens 15 Minuten aufgeteilt werden. Wer jedoch einer vorwiegend sitzenden Tätigkeit nachgeht, darf die Arbeit in der Schwangerschaft zum Aufstehen oder Herumgehen öfters einmal kurz unterbrechen.

Berufstätige Schwangere: Krank in der Schwangerschaft

Egal, ob Sie krank sind, sich einfach nicht gut fühlen oder zeitweise liegen müssen: Sie können sich während einer Schwangerschaft krankschreiben lassen. Der Schutz des ungeborenen Kindes hat hier absoluten Vorrang. Das gilt übrigens auch für die Regelung von Vorsorgeterminen beim Gynäkologen: Wenn Sie beim Frauenarzt oder bei der Hebamme trotz aller Mühe keinen Termin außerhalb Ihrer Arbeitszeiten bekommen, muss Sie der Arbeitgeber für Vorsorgeuntersuchungen von der Arbeit freistellen. Die benötigte Zeit müssen Sie auch nicht nacharbeiten.

Die Höhe des Mutterschaftsgelds

Nach Start der Mutterschutzfrist (sechs Wochen vor der Geburt) erhalten werdende Mütter von ihrer gesetzlichen Krankenkasse Mutterschaftsgeld in Höhe von bis zu 13 Euro pro Arbeitstag. Dieses Mutterschaftsgeld erhöht der Arbeitgeber bis zur Höhe des durchschnittlichen Nettogehalts der letzten drei Monate. Liegt diese Summe unter 390 Euro, kommt für den Unterschiedsbetrag die Krankenkasse auf. Hausfrauen wie auch Mini-Jobberinnen erhalten jedoch kein Mutterschaftsgeld, da sie meist durch eine Familienversicherung abgesichert sind.

Einmalzahlung für privat Versicherte und Mini-Joberinnen

Wer privat krankenversichert ist, erhält statt Mutterschaftsgeld vom Arbeitgeber das normale Nettogehalt abzüglich der 13 Euro pro Arbeitstag, die sonst die gesetzliche Krankenkasse zahlt. Jedoch können privat Versicherte ein einmaliges Mutterschaftsgeld von 210 Euro beim Bundesversicherungsamt beantragen. Das gleiche gilt auch für Mini-Joberinnen oder Heimarbeiterinnen, sofern sie denn bei einer privaten oder gesetzlichen Krankenversicherung familienversichert sind.

Besondere Regeln für schwangere Selbstständige

Nur wer als Selbstständige freiwilliges Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse ist, den „Wahltarif Krankengeld“ (der auch Mutterschaftsgeld enthält) abgeschlossen hat oder den höheren Normalbeitrag von Pflichtversicherten zahlt, hat Anspruch auf Mutterschafts- oder Krankengeld während der Mutterschutzfrist. Die meisten privaten Krankenversicherungen schließen beides allerdings von vornherein aus, andere bewilligen eine Einmalzahlung von rund 200 Euro. Kommt eine Selbstständige während ihrer Schwangerschaft in Not, kann sie beim Sozialamt einen Antrag auf Hilfe in besonderen Lebenslagen stellen. Sie erhält dann finanzielle Hilfe zum Lebensunterhalt bis es ihr wirtschaftlich wieder besser geht.

Weiterführende Links:

  • Hier das Mutterschutzgesetz zum Nachlesen: www.gesetze-im-internet.de
  • Homepage der Mutterschaftsgeldstelle des Bundesversicherungsamts: www.mutterschaftsgeld.de (inkl. Antragsformulare für die Einmalzahlung über 210 Euro)
  • Bei Fragen rund um das Thema Schichtdienste helfen die örtlichen Gewerbeaufsichtsämter oder das Arbeitsschutzamt des jeweiligen Bundeslandes weiter